Trendanalyse 18
zu den
Makro-Dimensionen der Euro-Rettung

Kurzfassung

TARGET-Positionen
Dicke Bertha und Deutschlands Auslandsvermögen

I.   Deutschland hat enormes Wachstum des Auslandsvermögens

Lange hat es überhaupt niemand gemerkt: Die Bundesbank hat Forderungen von über 500 Milliarden Euro gegen die Schuldenländer aufgebaut. Das hat Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut in einem Interview mit der FAZ jetzt herausgestellt: „Heute besteht schon die Hälfte des deutschen Nettoauslandsvermögens aus Forderungen der Bundesbank gegen das EZB-System“.

Was hat es mit diesem Auslandsvermögen auf sich? Wie auf so vielen anderen Feldern zeigt sich auch hier ein radikaler Bruch zwischen den Mustern der Realwirtschaft und denen der Finanzwirtschaft.

MacroAnalyst zeigt, dass das Auslandsvermögen in der vormaligen Realwirtschaft als Ergebnis von asketischem Sparverhalten und harter Arbeit entstanden ist. Reale Quelle waren die Überschüsse in der Leistungsbilanz.
Diese zeigen nicht nur eine starke internationale Wettbewerbsposition.

Sie sind zugleich Quelle der Veränderung des Auslandsvermögens eines Landes. Der Überschuss eines jeden Jahres schlägt sich als Zuwachs des Auslandsvermögens nieder.

Macroanalyst zeigt, wie das Auslandsvermögen definiert ist und wo es ausgewiesen wird. In Tabelle 1 ist das enorme Wachstum des deutschen Auslandsvermögens zu finden. Der erste Eindruck aus dieser Datenreihe: Super, Deutschland –  welch eine Vermögensmehrung!  Dieser Eindruck täuscht.

II.  Dieses Auslandsvermögen ist auf Sand gebaut

Der Eindruck täuscht deswegen, weil im jetzt dominierenden Finanzkapitalismus auch der Anstieg des Auslandsvermögens – wie so vieles andere – auf die Durch-Monetarisierung zurückzuführen ist.  

Der Anstieg des Auslandsvermögens wird in Tabelle 2 gezeigt. Er ist nun vor allem Folge der Neuschöpfung einer systemischen Position, der TARGET-Position.

Über das Abrechnungssystem der EZB baut die Bundesbank immer höhere Forderungen an die Schuldnerländer auf.

Fatal ist zudem, dass zu dieser Umverteilung von Zentralbankgeld eine exzessive Ausweitung der Zentralbankliquidität hinzutrat. Diese Vermögensposition der Bundesbank ist deshalb nicht abgesichert. In Zeiten der Durchmonetarisierung stehen diesen Forderungen lediglich Bits und Bytes auf anderen Konten gegenüber – Blasen in der Vermögenssphäre.

Hans-Werner Sinn: „Heute besteht schon die Hälfte des deutschen Nettoauslandsvermögens aus Forderungen der Bundesbank gegen das EZB-System. Geht es nach dem Willen der EZB, könnte die andere Hälfte bald auch noch weg sein“. Und nach dem brüllenden Doppelschlag der Dicken Bertha hört man seine Warnung kaum noch: „Wir können die Forderungen nie fällig stellen. Wenn wir alt und gebrechlich sind und unsere Lebensversicherungspolicen ausgezahlt haben wollen, kann die Bundesbank nicht zurückzahlen, weil sie selbst ihre Forderungen nicht eintreiben kann“.

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Quelle:
alle Rechte bei
Dr. Karl H. Pitz
MacroAnalyst.de

Frankfurt am Main, Stand 6. März 2012